Sonntag, 26. Januar 2014

Streit muss ganz toll sein...

... auch, wenn ich das irgendwie selbst mit bald 35 Jahren nicht nachvollziehen kann.
Also, es gibt ja einige Themen, bei denen die Emotionen allseits hochgehen. Politische Themen zum Beispiel. Spontan fällt mir da das Thema "Zuwanderung" bzw. "Asylrecht" ein.

Bei diesen Themen kochen die Emotionen rasch hoch - und nicht selten entsteht aus einer sachlichen Diskussion schnell ein Streitgespräch.

Aber, wenn man schnell und mit tödlicher Präzision einen Streit vom Zaun brechen will - vorzugsweise in sozialen Netzwerken, wo viele Menschen sich beteiligen können -, dann sollte man ein anderes Thema anschneiden.

Vegetarier vs. "Fleischfresser"
Ich garantiere, binnen weniger Minuten überschlagen sich die Kommentatoren, und nach spätestens 15 Minuten hat man genug Zündstoff für einen Monsterstreit zusammen.
Ich kann das nicht nachvollziehen! Ehrlich nicht. Und normalerweise halte ich mich aus diesen "Gesprächen" immer raus. Da ich jetzt wieder über dieses Thema gespolpert bin, habe ich mir Gedanken zum Thema gemacht, und möchte diese mit Euch teilen (in der Hoffnung, dass hier kein Streit entsteht, weil ich fest daran glaube, dass hier ausschließlich tolerante Menschen unterwegs sind, die ihre Meinung natürlich vertreten, aber dies ohne verbale Tiefschläge können!)

Der Mensch ist vom rein physischen Aspekt her, darauf ausgelegt sowohl Fleisch, als auch Gemüse, Getreide, und Obst zu "verarbeiten". Das Gebiss des Säugetieres namens Homo sapiens ist mit Mahlzähnen ausgestattet, aber auch mit (verkümmerten) Reisszähnen. Optimal, um Fasern von Fleisch zu zerkleinern, aber auch Früchte und "Blätter" zu einem Nahrungsbrei zu verarbeiten.
Der Magen dieses Wesens kann sowohl mit dem einen, als auch mit dem anderen Energielieferanten arbeiten.

Wie bei jedem anderen Tier, hat sich der Organismus dieses Säugetieres an seinen Lebensraum und die angebotenen Nahrungsquellen angepaßt.
Der einzige Unterschied - meiner Meinung nach - der Mensch, besonders hier in unseren Breiten, hat die freie Wahl seiner Nahrung - anders, als beispielsweise eine Kuh, die durch den besonderen Magen auf ein bestimmtes Nahrungsspektrum angewiesen ist.
Viele Tiere benötigen besonderes Futter und erkranken schwer, wenn sie etwas anderes fressen.
Der Mensch ist eines der Tiere, die als "Allesfresser" konzipiert sind (wie z.B. der Bär).

Eines der Totschlagargumente von Verfechtern veganer bzw. vegetarischer Lebensweise ist ja, dass Fleisch eigentlich krank macht. Und das viele der sogenannten "Zivilisationskrankheiten" mit Fleischverzehr zusammenhängen.
Meine Meinung dazu: Ja und nein.
Es ist durchaus so, dass in Fleisch Stoffe enthalten sind, die der menschliche Körper benötigt - und ja mir ist klar, dass diese Stoffe auch durch den Genuss bestimmter Gemüsearten zuführbar sind.
Es ist aber nicht wahr, dass vegetarische oder vegane Lebensweise unbedingt gesünder ist - denn ich persönlich kenne Vegetarier und Veganer, die genauso an Fettleibigkeit und hohem Blutdruck leiden. Also kann diese Ernährungform nicht automatisch die Lösung bedeuten.

Ich finde es auch furchtbar, wie der Mensch mit den sogenannten Nutztieren umgeht, Massentierhaltung gehört meiner Meinung nach verboten. Denn sie ist es, die Fleisch zu einer relativ günstigen Ernährungsoption gemacht hat. Und wenn man heute in den durchschnittlichen Supermarkt geht, dann bezahlt man für Fleisch kaum noch mehr, als für Obst und Gemüse. Dadurch greifen viele Menschen vermehrt zu Fleisch.
Ich esse Fleisch, Fisch und Geflügel. Aber ich versuche mich an den Menschen zu orientieren, die von 2 oder 3 Generationen lebten. Für diese Menschen war Fleisch etwas Besonderes. Es war teuer, und es war nicht an jeder Ecke zu bekommen. Daher gab es eher selten Fleisch - der "Sonntagsbraten" war etwas ganz besonderes.

Ich schätze ein schönes Steak mit Gemüse und Salat hin und wieder, oder einen schönen Braten. Aber ich brauche nicht jeden Tag Fleisch. Zusätzlich achte ich darauf Fleisch zu kaufen, dass zwar teurer ist, aber durch diverse Gütesigel verspricht aus biologischer Haltung von einem Bauernhof zu kommen. Nachvollziehen kann ich es leider nicht - weil ich nicht die Möglichkeit habe, direkt zu einem Bauernhof zu fahren, um mein Fleisch direkt zu beziehen. Aber ich verlasse mich auf Qualitätskontrollen und würde nie "Billigfleisch" beim Discounter an der Ecke kaufen.

Ein Argument, das gerne gegen Fleischkonsum eingebracht wird, ist jenes, das besagt, dass "Fleischfresser" (danke übrigens für diese nette Bezeichnung), niemals Fleisch "fressen" würden, wenn sie es selbst beschaffen müssten. Ja, das mag sein. Ich weiß nicht, ob ich ein Tier töten könnte - wenn ich nicht tatsächlich kurz vor dem Verhungern stehen würde.
Aber zum Glück bin ich nicht darauf angewiesen, denn es gibt Menschen, die das beruflich machen. Im Übrigen würde ich vermutlich schon lange tot sein, wenn es nicht Menschen gäbe, die Dinge machen, die ich selbst nicht kann. Ich würde nicht in einer Wohnung leben, hätte keine Möbel und auch nichts anzuziehen - denn ich kann weder ein Haus bauen, noch kann ich aus Pflanzenfasern Stoffe herstellen, oder Möbel zimmern. Ich wäre schon unzählige Male Krankheiten erlegen, da ich kein Arzt bin, und Chemiker, also auch keine Medikamente herstellen könnte.

Unsere Gesellschaft hat sich dahingehend entwickelt, dass man etwas erlernt und diesen Dienst dann mit der Gemeinschaft teilt.
Um zum Thema zurückzukehren... ich würde auch ohne Fleisch verhungern, müßte ich mich selbst versorgen, denn ich lebe mitten in der - größtenteil betonierten - Großstadt. Ich selbst habe nicht die Möglichkeit Nahrungspflanzen anzubauen, zu versorgen und zu ernten. Selbst jetzt, wo ich ein bisserl Grün im Garten habe - 2 Tomaten und 1 Gurkenpflanze, sowie ein paar Kräuter machen keine ausgewogene Ernährung.
Ich muss also auch für vegetarische Kost in den Supermarkt - und ich bin mir nicht 100% sicher, dass es tatsächlich gesünder ist, mit Chemie behandeltes Obst und Gemüse zu verzehren, dass aus allen Teilen der Welt herangekarrt wird.

Ich habe es aber etwas weiter oben schon erwähnt... der Mensch ist hier in unserer Umgebung in der großartigen Position frei wählen zu können, wie er seine Ernährung zusammenstellt.
Und ich für meinen Teil finde es ganz großartig, wenn ein Mensch sagt:" Ich habe eine Variante gefunden, die mir persönlich gut tut, und von der ich überzeugt bin."
Ist doch super!
Aber warum um Himmels willen ist es nicht möglich, das einfach so stehen zu lassen? Und warum schaffen wir es nicht, dieses Erkenntnis auf andere umzulegen?
Nein, lieber Streiten und die anderen Verdammen.
Liebe Vegetarier, Veganer, Frutarier und wie ihr euch sonst so bezeichnet.... ihr habt für Euch entschieden, dass ihr auf Fleisch, und auf tierische Produkte verzichten wollt. Weil ihr es für einen besseren Lebensweg haltet. Ihr habt damit gute Erfahrungen gemacht, und gemerkt, dass ihr euch damit wohl fühlt. Das ist super! Ich freue mich für euch, weil ihr euch wohl in eurer Haut fühlt und weil ich für euch einen Weg gefunden habt, im Einklang mit der Natur mit dem Leben, oder was auch immer zu sein.

Aber bitte, akzeptiert auch, dass euer Weg nicht zwingend der anderer Menschen ist.
Daran wird sich auch nichts ändern, wenn ihr Fotos von Tierschlachtungen teilt und die bösen Fleischfresser anprangert. Es wird sich nicht ändern, wenn ihr immer wieder und wieder auf Angriff geht. Im Gegenteil, das verhärtet die Fronten zusehends.
Wenn ihr etwas Teilen wollt, um zum Undenken anzuregen... dann teilt - so blöd das klingen mag - Kochrezepte. Kocht leckere Gerichte, und fotografiert sie. Stellt die Bilder mit den Rezepten online. Die Neugier der Menschen, was leckeres Essen angeht ist nicht zu unterschätzen. Und vielleicht werden die Rezepte übernommen - Veränderung beginnt im Kleinen, oder etwa nicht?
Es ist ja in Ordnung davon zu erzählen, wie gut es einem mit einem bestimmten Lebensstil geht - aber Missionieren und andere Lebensstile verdammen... das hat noch nie auf Dauer gut funktioniert.
Und ehrlich, wenn man mich permanent beschimpft, dann sehe ich keine Veranlassung mich näher mit dem Lebensstil jener Menschen auseinanderzusetzen, die mich beschimpfen.

Warum können wir Menschen nicht einfach akzeptieren, dass jeder von uns seinen eigenen Weg im Gefüge findet? Und wenn wir uns schon bei der Nahrungsaufnahme in die Haare bekommen, wie sollen wir es dann schaffen bei abstrakteren Dingen, wie dem Glauben Toleranz und Akzeptanz zu zeigen...

In diesem Sinne:
Mahlzeit!


Kommentare:

  1. bei der Ernährung ist es aber echt oft so, dass sie wie Religionen sind. "nur die eigene ist die einzig Wahre" [...]

    ich lasse jeden Veganer Veganer sein und wünsche mir das natürlich andersrum auch so. ich verstehs aber am ehesten aus ethischen Gründen. also wenn mans verträgt und es einem gut damit geht, bitte!

    ich esse gerne Fleisch, und ich zahle auch gerne mehr, wenn die Aufzucht und Behandlung der Tier artgerecht ist.
    als Stadtkind muss man sich leider auf Etiketten verlassen.

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    1. Eben - sehe ich auch so :)
      Ich finde es nur jedes Mal aufs Neue traurig, wenn Menschen aufgrund dieses Themas zu Streiten beginnen und sich virutell beinahe an die Gurgel gehen.

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  2. Super geschrieben, kann mich Deiner Meinung nur anschließen. Für mich ist noch wichtig, nur das in der Saison gewachsene Gemüse etc. zu essen, was will ich denn jetzt schon wieder mit Erdbeeren? Sie sind teuer und schmecken nach nichts . Glaube aber auch, das diese verbalen Auseinandersetzungen ein Zeichen unserer Zeit sind, jeder nimmt sich und seine Meinung viel zu wichtig. Deshalb gilt für mich der Spruch, jeder Jeck ist anders. LG Suzie

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    1. Dankeschön!
      Ja, stimmt, das habe ich komplett zu erwähnen vergessen.
      Ich freue mich immer auf bestimmte Obstsorten z.B. Erdbeeren oder Kirschen... wenn es an der Zeit ist, sie in heimischer Gegend zu ernten :)

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