Sonntag, 15. Februar 2015

Ein Tag in Venedig...(Monstereintrag und Fotoflut)

Am Freitag um 23:00 Uhr ging es los.
Ich hatte vorgebaut und mir schon am Freitag freigenommen - also ein wenig geschlafen am Nachmittag, denn ich ahnte schon... im Bus werde ich nicht schlafen können.
Mein Platz war super - direkt hinter dem Fahrer, mit freier Sicht durch die Windschutzscheibe. So konnte ich zwischen dem Dösen immer wieder zumindest kleine Abschnitte der Strecke sehen, die von den Scheinwerfern beleuchtet wurde.

Ein wenig ärgerlich: So ziemlich genau alle 2 Stunden wurde Pause gemacht, das Licht im Bus an und Durchsage per Mikro. Die meisten Fahrgäste hatten ja keine Probleme im Bus zu schlafen, wurde dadurch immer wieder aufgeweckt. Auch auf Bitte hin durfte meist niemand im Bus bleiben. Also hieß es mitten in der Nacht bei Wintertemperaturen, verschlafen und müde hinaus in die Nacht.
Aber gut.

Bereits auf der großen Pause in Völkermarkt (um 3 Uhr morgens!) wurden wir erstmals zur Kasse gebeten. WC-Benutzung kostest. Aber in Ordnung. 50 Cent dafür, dass ich auf ein sauberes WC gehen kann, gehen in Ordnung. Die angekündigte Möglichkeit zum letzten Mal halbwegs günstig an eine warme Mahlzeit zu kommen, sah so aus, daß genau ein Kessel mit Gulaschsuppe auf uns wartete. Hunger hatte ich aber nicht, von daher, nur eine heiße Schokolade getrunken.
Es folgte, nach einem kleinen) ein großer Stop in Italien. Es war 6:30 Uhr. Dunkel, kalt und nieselig. Die Raststätte war nicht wie angekündigt offen. Vor der Toilettenanlage ewig lange Schlangen, da hier bereits rund 30 Busse vor uns angekommen waren. Ebensolange Schlangen vor dem Futterautomaten, der das versprochene "Frühstück" ausspucken konnte.
Habe ich mir verkniffen -  beides. Bin stattdessen ein bissl spazierengegangen, um mir die Beine zu vertreten. Konnte zu diesem Zeitpunkt kaum noch sitzen. Mein Hintern war eingeschlafen, und meine Knie brannten höllisch.
Dann Aufbruch zur letzten Etappe. Regen. Mist.

Um etwa 8:00 Uhr kamen wir dann in Tronchetto an. Unsere Reiseleiterin machte sich auf, zum Versuch ein Gruppenticket für das Vaporetto nach Venedig zu bekommen. Daher kurze Pause für all jene, die zu Beginn des Tages bei der Gruppe bleiben wollten, um ein besonderes Angebot anzunehmen, das die Reiseleiterin hatte auftun können.
Eine Führung durch einen Historiker, der und 2 Stunden lang von Rialto bis San Marco führen sollte. Und das zu einem Hammerpreis, der quasi geschenkt war. Gekauft! Also kurze Pause.
Hier warten meine Freundin und ich auf das Vaporetto.
Es war neblig und eiskalt. Ich war froh, daß ich meinen Schal und meine Mütze eingepackt hatte.
Und dann war die Reiseleiterin wieder da. Juhuu, Gruppenticket. Um nur 6 Euro morgens nach Venedig und abend wieder zurück. Perfekt.
Auf dem Vapretto, nur kurze Zeit später, gab es dann das erste Gruppenfoto meiner kleinen Reisegruppe. Ich war ja mit meiner Freundin, ihrem Ehemann, dessen Mutter und Tante unterwegs.
Bereits da wurde ich richtig wach. Ob es jetzt an den eisigen Temperaturen auf dem Wasser lag, oder ander Vorfreude, das kann ich nicht sagen. Aber ich war total hibbelig und die Müdigkeit, wie weggeblasen.
Die Fahrt mit dem Vaporetto von Tronchetto nach Venedig selbst dauert nur knappe 15 Minuten, wenn man so wie wir bereits bei der Rialtobrücke aussteigt.  Und bei der Fahrt kam bei mir richtiges Urlaubsfeeling auf. Und endlich, endlich, nach 18 Jahren, war ich wieder am Meer. Der Geruch... soooo schön.  Und als wir das Industriegebiet hinter uns ließen, sah es langsam auch "nach Venedig aus".
Wir saßen draußen, weil das Vaporetto bereits um 8:30 Uhr gesteckt voll war. Es war genau wie in unseren Straßenbahnen - und genaugenommen ist das Vaporetto ja die Straßenbahn in Venedig.

Eigentlich hatte ich mir ja gedacht, daß ich mir eine Tageskarte kaufe, und mit dem Vaporetto auch eine Art Rundfahrt mache. Bin aber froh, daß ich das gelassen habe, denn a) hätte ich gar keine Zeit dafür gehabt und b) waren die Vaporettos mit jeder Stunde voller. Also hätte ich nicht wirklich was davon gehabt.
















Der Ausblick während der Fahrt war aber wunderbar....
Und dann waren wir am Ziel. Venedig. Station Rialto. Die bekannte Brücke im Hintergrund (komisch, die hatte ich größer und irgendwie eindrucksvoller in Erinnerung).  Hier trafen wir unseren Fremdenführer. Einen italienischen Kunsthistoriker, der uns etwa 2 Stunden durch einen kleinen Teil der Stadt führen sollte. Von Rialto bis zur Piazza San Marco. Er sprach sehr gut deutsch, hatte aber einen sehr charmanten Akzent und bereits nach 5 Minuten offenbarte er den Charme und Witz, den man italienischen Männern nachsagt. Sehr zur Freude der fast ausschließlich weiblichen Reisegruppe.
Er führte uns durch teils so enge Gassen, daß wir im Gänsemarsch unterwegs waren, und teils waren es so dunkle Gassen, daß die Kamera kaum mit den Lichtverhältnissen klar kam.
Da wurde mir auch klar, wie groß die Gegensätze sind, die in dieser Stadt aufeinanderprallen. Strahlend schön, wo die Menschenmassen sich durchwälzen, heruntergekommen und dreckig dort, wo sich kaum ein Tourist hinverirrt.
Aber ich muss sagen, ich bin sehr froh, daß er uns weg von den Touristenströmen führte. So lernten wir versteckte, kleine Höfe und Plätze kennen, die wir sonst sicher nie zu Gesicht bekommen hätten.
Orte, wie diesen hier.
Die Führung selbst war wirklich extrem interessant, obwohl ich gestehen muss, daß nur wenige der vielen Informationen wirklich hängen geblieben ist. Schade, denn unser Fremdenführer hat viele interessante Details aus der Geschichte Venedigs erzählt und viel zu den Häusern und Plätzen erklärt, an die er uns geführt hat.
Ich hätte wirklich gerne ein Diktiergerät dabei gehabt, denn all die Informationen später nochmal zu hören, wäre toll gewesen.
Durch die anstrengende Anreise ist man ja leider weniger aufnahmefähig als sonst. Und ich persönlich war zusätzlich gerade zu erschlagen von den Eindrücken der Stadt. Visuell und emotional.

Da wäre der Blick von einer der unzähligen kleinen und größeren Brücken zu erwähnen. Die Kamera kann das intensive Grün der Lagune gar nicht richtig wiedergeben. Glücklicherweise aber auch nicht den Geruch, der wirklich extrem unangenehm ist, und der über der ganzen Stadt liegt. Es dauerte einige Stunden, bis ich den Geruch kaum mehr wahrnahm.Es riecht extrem streng nach Meerwasser, gemischt mit Fäkalien und Müll. Letzterer stapelt sich in Plastiksäcken in vielen Ecken abseits der Touristenhotspots.

Generell stolperten wir aber immer wieder über die Devise: "Mehr ist mehr". Besonders die Kirchen, aber auch die diversen Paläste die gut sichtbar, oder sehr versteckt in dieser Stadt liegen sind so voller Details und Verzierungen, daß man sie beim bloßen ansehen, gar nicht alle erfassen kann.
Dicht an dicht liegen die Häuser, und jede Ecke um die man biegt, scheint Überraschungen und neue kleine und große Wunder zu offenbaren.
Natürlich muß auch dieser Schnappschuß sein - es ist kaum möglich Fotos zu schießen, auf denen nicht gefühlte Millionen anderer Menschen sind. Daher ist dies das einzige Foto eines "Hotspots", das ich mit euch teilen werde (Ich mußte es leider ein wenig bearbeiten und Gesichter unkenntlich machen, die frotal zu sehen waren).
Menschenmassen... dieses Foto entstand ja während unserer Führung, da war "noch nicht viel" los. Im Verlauf des Tages konnte man sich dort nicht mehr bewegen. War mir aber schon vorher klar gewesen :)
Auf dieses Foto bin ich ein klein wenig stolz, denn es hat etwas von einer Postkarte, wie ich finde.  Es zeigt auch deutlich... Es war bewölkt. Und es war eiskalt. Aber zumindest blieb der angekündigte Regen aus. Und dann, so gegen 13:00 Uhr, wurde der Himmel mit einem Mal deutlich heller - und die Sonne kam heraus.
Jaha, hier konnten wir endlich Pause machen!
Zu diesem Zeitpunkt war die Führung schon lange vorbei, und meine kleine Reisegruppe hatte sich schon durch die Gassen geschlängelt. Unsere Füsse schmerzten bereits und da stellten wir fest: Es gibt in Venedig so gut wie keine Sitzgelegenheiten. Auf keinem der zig Plätze standen Parkbänke. Die einzigen Sessel gehören zu Cafes und Bistros - wo man tatsächlich allenorts aufpassen muss. Die Preise in Venedig sind ja generell seeeehr teuer. Aber zu den Preisen für Getränke und Speisen kommt dann auf jeden Fall noch ein Aufpreis für das Gedeck, und gute 10% für den Service. Als Tourist zahlt man mehr, als es Einheimische tun. Und auch hier wird scheinbar nach Gutdünken verrechnet. Wir hatten von daher Wasser und kleine Knabbereien mit, aber wir wollten dann wirklich gerne ein wenig Sitzen. So landeten wir im Hard Rock Cafe. Wartezeit auf einen Tisch im Speisebereich rund 90 Minuten, aber wir hatten Glück und trafen zwei Österreicherinnen, die uns ihren Tisch im Cafebereich überließen. So gab es hier einen superguten Kaffee (Preis: 2,40 Euro, also billiger (!!!) als in Wien im Kaffeehaus), und erstmal Pause im Sitzen.

Tja, und aufs Töpfchen zu gehen hat hier in Venedig auch so seinen Preis. Wenn man Glück hat, wie z.B. im Hard Rock Cafe, ist die Benutzung kostenlos - aber mit langen Warteschlangen verbunden (das übrigens immer und überall).  Die Benutzung einer Toilette kann aber bis zu 3-5 Euro kosten - und wenn man Pech hat, dann ist es nur ein Loch im Boden, was so in Winterklamotte eine große Herausforderung darstellt. (Ich hatte Glück - normale Toiletten, bei jedem Versuch.)

Den Nachmittag über ließen wir uns einfach Treiben. Durch Gassen, an unzähligen Geschäften vorbei, kauften kleine Mitbringsel für die Lieben daheim, und genoßen das einzigartige Flair der Stadt. Und natürlich fotografierten wir unzählige Masken. Hier nun eine kleine Auswahl, die wenigen Bilder, auf denen nicht andere Touristen sind, bzw. kene fremden Gesichter.
Steampunk war besonders unter jungen Leuten ein großes Thema, wie es scheint, denn es gab unzählige Steampunkgruppen. Aber diese Herr hier, der hat uns wirklich begeistert.
Ich mußte sofort an Dracula denken (Film von 1992 mit Gary Oldman). Der Mann war sehr beeindruckend - und ich habe es leider nicht geschafft, auch die ewig lange Tüllschleppe seines Kostüms einzufangen. 
 Aber wo wir gerade bei Dracula sind...
Ja, es gibt Vampire in Venedig (Klick aufs Bild, und auf Zähne achten). Den Beweis hab ich höchstselbst unter Einsatz meines Lebens *gg* erbracht. (Wurde beim Versuch dieses Bild zu schießen, fast von einer Horde Touristen niedergetrampelt...). Ich persönlich kann mich nicht entscheiden, ob ich die klassischen "Masken", wie man sie auch Bildbänden und Dokumentationen kennt, schöner fand, oder die historischen Kostüme, die so wunderschön waren, und aussahen, als kämen sie direkt durch ein Loch in der Zeit zu uns...


Die Zeit verflog regelrecht. Es war bereits später Nachmittag, als wir direkt bei der Rialtobrücke ein Lokal geentert haben, das eigentlich moderate Preise hatte - aber, was viel wichtiger war, freie Sitzplätze unter einem Heizstrahler. Dort blieben wir dann für gute 2 Stunden sitzen. Hunger hatte ich überhaupt nicht. Aber ich habe einen weiteren Kaffee genossen, während die anderen gefuttert haben. Wir haben den Tag ein wenig Revue passieren lassen. Und geplant, wie und wann wir zurück nach Tronchetto kommen.
Wir entschieden uns dafür, kein Risiko einzugehen. Also noch ein wenig durch die inzwischen dunklen Gassen geschlendert, und dann um kurz vor 20 Uhr ab ins Vaporetto.

Die Heimfahrt verlief ruhig. Diesmal nur kurze Pausen, lediglich eine größere, wieder in Völkermarkt. Diesmal durften die völlig erledigten Fahrgäste im Bus bleiben und weiterschlafen, was die meisten taten. Ich selbst bin aber wieder raus. Es war 2 Uhr morgens, ich habe nichts gegessen oder getrunken, aber die Toilette besucht (und wieder bezahlt) und die Gelegenheit genutzt meine Beine auszustrecken und ein paar Schritte zu machen. Insgesamt war die Heimfahrt deutlich kürzer, über eine Stunde waren wir schneller, als bei der Hinfahrt. Aber wieder war ich meist wach, habe nur hin und wieder ein paar Minuten geschlafen.
Um 6:05 Uhr waren wir wieder am Abfahrtspunkt angekommen. Um 6:30 Uhr war ich daheim, habe meine Fellnasen begrüßt und gefüttert - und bin dann wie ein Stein ins Bett gefallen, um erstmal bis 13 Uhr durchzuschlafen.

Inzwischen bin ich wieder halbwegs fit, und habe meine Fotos gesichtet. Und tatsächlich hab ich nur 2 Fotos verhauen, glücklicherweise waren es welche, von denen ich 2 Aufnahmen gemacht hatte.
Da ich gestern nur 1 Pkg Mannerschnitten und 1 Brötchen gegessen habe, werde ich mir jetzt erstmal etwas zu Essen machen. Und dann werde ich mir die Fotos raussuchen, die ich in ein Fotobuch packen will.
Generell werde ich es heute aber ruhig angehen, und bin froh, daß ich morgen noch frei habe. So kann ich die vielen schönen Momente "verdauen", die die diese anstrengende, aber sehr schöne, kurze Reise mir gebracht hat.

Kommentare:

  1. sehr schön! tolle Fotos!
    freu mich schon auf das Fotobuch :)

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    1. Und ich freue mich auf ein Kaffeechen mit dir :)

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  2. Was für ein wunderbarer Reisebericht und tolle Fotos! Danke dir für diesen kleinen Ausflug nach Venedig. ;)

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    1. Gerne :)
      Ich bin immer noch ganz gefangen von den Eindrücken. Jetzt kommt mir der Tag irgendwie ganz surreal vor. Wie ein Traum. Nur meine schmerzenden Füsse und die Fotos beweisen mir gerade, dass ich wirklich da war.

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