Sonntag, 9. Oktober 2016

Goodbye my Friend!

Vor über 9 Jahren ist meine Welt zusammengebrochen. Nach einem Ehe-Aus, wie es unschöner nur schwerlich hätte sein können, war ich unter Anhäufung von Schulden in meiner klitzekleinen Wohnung in einer der schlechtesten Ecken von Wien untergekommen.
Meine alte Katzendame und ich...
Und dann kam eine Arbeitskollegin in mein Büro und fragte nach, ob ich jemanden kennen würde, der einem Katzenbaby notfallmäßig ein Für-immer-Zuhause bieten könnte. Ganz traurige Geschichte von einem schweren Start ins Leben, viel Schmerz und Angst.
Ich habe nicht nachgedacht und sofort zugesagt, dass es bei mir einziehen könnte...

Und so kam ein paar Tage später Maxi in mein Leben.
Maxi..., mein Baby.
Menschgeprägt, erst 7 Wochen alt, zerzaust, klein, dünn... Minnie hat nich lange gebraucht, um ihn zu akzeptieren, auch wenn es nie die "große Liebe" war. Aber das war ihm egal, denn er hat sich an mich gehängt. Konnte mit der Katze im Haushalt nicht viel anfangen. Aber mit mir.
Und von da an, waren wir unzertrennlich.
Es war "magisch". Er hat mich gebraucht - und ich ihn. Er war da. In einer verdammt schweren Zeit. Ihm war egal, wie dick ich war, egal, wie ich aussah. Er hat mich geliebt. Bedingungslos.
Und ich habe ihn geliebt. Vielleicht war es genau diese Liebe, die ihn vom zerzausten, dünnen Katzenkind zu einem wunderschönen Kater heranwachsen hat lassen, der zwar immer etwas zierlicher blieb, als andere Kater, aber gesund und stark war.

Maxi und ich...
Er schlief bei mir im Bett, vorzugsweise in meinen Arm gekuschelt, wie ein Baby. Er saß stundenlang auf meinem Schoß, beim Fernsehen oder auch beim Häkeln. Er begrüßte mich freudig, wenn ich aus dem Büro kam, und hat sogar gelernt "Mama" zu sagen, wenn er meine Aufmerksamkeit wollte.
9 Jahre lang war er immer da....

Und dann kam der 29.9.2016. Ein Donnerstag.
Ich war früher aus dem Büro nach Hause gefahren, weil ich starke Kopfschmerzen hatte... und daheim stelle ich fest: Kein Maxi da.
Erst lächle ich, weil ich mir denke: Überraschung, ich bin ja auch 2 Stunden früher als sonst hier. Doch dann sehe ich ihn. Schwer atmend sitzt er in einer Ecke und sieht mich aus großen, traurigen Augen an.
Ich denke, er wußte es zu diesem Zeitpunkt bereits.

Wir haben einen Tierarzt gleich gegenüber... der macht aber erst um 16:00 auf. Soll ich ihm den Stress antun, und zur Stoßzeit mit ihm in den Öffis oder im Taxi zu meinem alten Tierarzt fahren? Er haßt Autofahren und auch Öffis. Regt sich dann furchtbar auf. Er bekommt so schlecht Luft... ich fürchte das würde ihn umbringen. Und bis wir wirklich dort sind, hat hier schon fast der Tierarzt auf. Ich beschließe zu warten, rufe um Punkt 16:00 beim Tierarzt an, und soll als Notfall sofort kommen.

Wir sind 5 Minuten später dort.
Ich bin aufgelöst, kann die Tränen kaum zurückhalten, bleibe aber stark für meinen kleinen Maxi.
Die Diagnose ist niederschmetternd. Die Ärztin meint, dass es ein Wunder ist, dass er erst jetzt Symptome zeigt.
Die ganze Lunge ist voller Wasser, nur ein klitzekleiner Rest bleibt zum Atmen. Und dann ist da noch das Herz, das man überhaupt nicht auf dem Röntgen abgrenzen kann, und der Darm, der vollkommen falsch im kleinen Körper zu liegen scheint.
Sie meint, dass da wohl ein riesengroßer Tumor rund um sein Herz gewachsen ist, und inzwischen alle Organe verdrängt. Keine Rettung möglich, keine Operation...
Man kann nur versuchen massiv zu entwässern.

Wir vereinbaren nach der Behandlung eine Kontrolle für Samstag.
Dann gehen wir nach Hause, und ich bin am Boden zerstört. Maxi legt sich zu mir und sieht mich aus großen Augen an. Und ich weine. Warum habe ich es nicht viel früher bemerkt. Hätte ich es bemerken müssen/können? Er war selbst an diesem Morgen noch genau wie immer gewesen. Lediglich Fressen wollte er nicht, was bei Maxi aber nicht ungewöhnlich war. Wenn ihm etwas nicht geschmeckt hat, hat er einfach Trockenfutter gefressen...

Die Entwässerung klappt, leider, als Maxi abends bei mir in Bett liegt. Glücklicherweise ist es sehr warm, und so kann ich die Decke in die Waschmaschine werfen. Natürlich alles ohne schimpfen... er kann da nichts dafür. Hauptsache die Flüssigkeit kommt aus seinem Körper...

Am Samstag morgend weckt mich eifriges Schnurren.
Maxi liegt auf meinem Kopfpolster und als ich die Augen öffne, beginnt er mit mir zu schmusen. Oh, vielleicht wird doch alles leichter.

Meine Hoffnung stirbt, als er 2 Stunden später noch schwerer atmet, als am Abend zuvor. Ich habe von meiner Kollegin frei bekommen, da ich Maxi beobachten soll... Und das tue ich. Was ich sehe, bricht mir das Herz... ich sehe wie er sich quält.

Um 10 Uhr rufe ich die Tierärztin an, kann die Tränen nicht unterdrücken, als ich den Zustand schildere, und wir beide feststellen, dass es heute enden wird. Wir vereinbaren einen Termin um 16:00 Uhr.
Und dann wird es plötzlich von Minute zu Minute schlimmer. Er legt sich hin. 5 Minuten, steht dann auf, streckt den Hals, sogar ich sehe, dass er keine Luft bekommt.Sein Näschen, dass ewig rosa geleuchtet hat, ist violett. Das Zahnfleisch blau. Ich fürchte, dass er mir in den kommenden 6 Stunden qualvoll ersticken wird. Das kann ich nicht zulassen...
Ich wähle erneut die Nummer vom Tierarzt. 20 Minuten sind alles, was mir bleibt. 20 Minuten.

Die Tierärztin ist nett, sie setzt die Narkose und bringt uns in ein Nebenzimmer, wo ich neben Maxi sitzen, ihn streicheln und halten kann. Sie zieht sich zurück. Ich spreche mit ihm... bedanke mich für alles, was er für mich getan hat, für seine Liebe und dafür, dass er all die Jahre bei mir war.
Der kleine Körper kämpft gegen die Narkose an... 2x muss die Ärztin eingreifen und nachdosieren, doch der kleine Körper will nicht loslassen. Es bricht mir das Herz. Ich sage ihm immer wieder, dass er loslassen soll, dass es in Ordnung ist, und dass ich alle klar kommen werde.
Und dann wird Maxi auf einmal ganz ruhig. Die Narkose wirkt. Die Ärztin kommt und sagt, dass ich mich nun verabschieden soll. Wenn ich soweit bin, soll ich mich melden.
Alles in mir schreit danach, ihn wieder aufzuwecken. Mein Baby wieder zu mir zurück zu bringen - was natürlich dumm und egoistisch ist, weil ich genau weiß, dass es nicht geht.
Nach weiteren 10 Minuten, in denen ich Maxi einfach halte und über sein Fell streiche, gehe ich nach draußen. Die Ärztin fragt, ob ich ihn danach nochmal sehen will... ich nicke.

Es dauert nur wenige Minuten, in denen ich verloren im Wartezimmer sitze. Als sie mich wieder reinholt liegt Maxi auf einer hübschen Decke. Er sieht friedlich aus, als würde er schlummern. Sie warnt mich, dass es sein könnte, dass sein kleiner Körper zuckt, wenn ich ihn berühre. Das Herz schlägt aber nicht mehr- Das passiert zum Glück nicht, denn das hätte mich vermutlich zusammenbrechen lassen.
Minuten später gehe ich mit der leeren Transportbox nach Hause. Ich weine. Mir ist egal, was sich Leute denken, die mich sehen. Tatsächlich begegnen mir ein paar Leute, doch ihre Blicke sind mitleidsvoll, als sie die leere Box sehen.

Lilly ist ebenfalls traurig. Sie war noch nie alleine. Maxi war immer da. Und in dieser Situation kommt sie zu mir kuscheln. Liegt stundenlang auf meinem Schoß und drückt ihren Kopf in meine Hand.
Ich bin am Boden zerstört.

Nich falsch verstehen...
Ich liebe meine kleine Lilly. Ich habe meine Minnie geliebt.
Aber die beiden waren und sind meine Katzen. Meine Haustiere. Sie gehören zur Familie, ja. Aber sie sind Tiere. Fellnasen.
Maxi war mehr. Dadurch, dass er menschgeprägt war, und sich selten wie eine Katze benommen hat, weil er so auf mich fixiert war...
Er war das Kind, das ich nie haben werde. (Ich weiß, dass diese Aussage viele nicht verstehen werden... was aber an meinen Gefühlen nichts ändert)

Und nun ist er nicht mehr da.
Es ist nun schon etwas über eine Woche her. Aber die Schockstarre hält noch immer an. Ich erwarte ständig, dass Maxi um die Ecke kommt. Besonders schlimm sind die Nächte, weil mein Bett nun leer bleibt. Lilly schläft lieber in ihrem Bettchen, als in meinem.

Maxi wird immer ein Teil von mir bleiben... und im Moment fehlt mir dieser Teil so schmerzlich, dass ich auch jetzt gerade wieder in Tränen ausbreche.

In meinem Arm liegend, seelig schlummernd....so behalte ich Maxi im Herzen.

Ich vermisse meinen Schatz!

Kommentare:

  1. Auch wenn ich dich persönlich nicht kenne, hat mich das sehr traurig gemacht. Als Katzenmama kann ich dich gut verstehen. Fühle dich gedrückt! Hexe Lila

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